0’56“ Last Piano Sonata – Another tribute for John Cage

Composed & filmed by Klaus Karlbauer/ Interpreted by JPrager/ © 2011

„I Have Nothing to Say and I Am Saying It“ (John Cage)
Nachdem des Bürgers beliebtestes Wohnzimmermöbel, das Pianoforte, nicht einmal durch John Cage’s Stück 4’33“ endgültig zum Schweigen gebracht werden konnte, habe ich dieser hochkulturellen Stadt- und Landplage ein Video-Memorial errichtet und damit hoffentlich endgültig einen Schlussstrich gezogen… äh, geschossen :-)

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Zufall, oder was? – In memoriam John Cage

Nachfolgender Text wurde von Lisa Schranz als Nachtrag zu ihrem Referat im Rahmen meiner Vorlesung am TFM verfasst, und da ich diesen Text bemerkenswert finde, möchte ich ihn einer weiteren Öffentlichkeit ans Herz legen:

Als ich dem Zufall auf die Schliche kam
oder
Des Rätsels Lösung
(Lisa Schranz)

Am 5.12.2011 in der Lehrveranstaltung „Ich habe geklaut – Sampling-Mix-Remix“ habe ich ein familiäres Erbstück präsentiert, ein Tonbandgerät. Es ist 43 Jahre alt und hat in dieser Zeit ein gewisses Eigenleben entwickelt.
Seine Eigenheit hat der Philips 4307 in dieser Lehrveranstaltung am Krampustag gezeigt.
Das Gerät bediente sich eines bereits durch Zufall und unabsichtlich bearbeiteten Bandes.

Auf dem Band sind Aufnahmen meiner Urgroßmutter und meiner Großtanten, als sie über das gesundheitliche Problem eines Gänserichs meiner Urgroßmutter und dessen Behandlungsmethoden debattieren (weitere Verwandte, die sich über andere Themen unterhalten) und meiner Mutter, als sie einen Zungenbrecher vorträgt, der in unserer Familie als Tradition von Mutter zu Kinder weiter gegeben wird.

„Frau Hockerl mocht Nockerl
und stöllt’s aufs Stockerl.
Do kummt a klans Bockerl
und frisst da Frau Hockerl die Nockerl vom Stockerl.“

Diese Aufnahme dürfte im Zeitraum von 1966 bis 1968 gemacht worden sein.
Zwischen diesen kurzen familiären Aufnahmen findet sich ein Musikstück von Mike Oldfield. Es handelt sich hierbei um Teil zwei und vier des 20-minütigen Stückes „Platinum“ vom Album „Platinum“ aus dem Jahr 1979. Die Aufnahme dieser Musik wurde ca. Anfang der 80er Jahre von meiner Mutter gemacht. Die Familienaufnahmen und die Musikaufnahme wechseln sich harmonisch durch ein fade in und fade out ab.

Aus diesem Mix wurde dann in der Lehrveranstaltung ein eigenes Musikstück.
Bei der „Band-Aufnahme-Spule“ musste ich etwas mithelfen, sie ist schon etwas altersschwach.
Trotzdem wurden auf einmal nur gewisse Tonstellen abgespielt und mit einem gekonnten fade in und fade out die Tonteile voneinander abgegrenzt. Dazwischen war nur das Gerät selbst zu hören. Ein Philips4307-Solo. Ich war in der Tat etwas überrascht.
Ein durch Zufall entstandenes Musikstück nach dem Vorbild von John Cage war in der Lehrveranstaltung zu hören, wobei ich zugeben muss, dass in diesem Fall die Absicht fehlte.

Nach der Lehrveranstaltung spielte ich noch einmal einem Kollegen kurz etwas vom Tonband vor und das Gerät ging noch einen Schritt weiter, es begann den Ton unregelmäßig eiern zu lassen. Das Stück wurde immer stärker (meinerseits unfreiwillig) bearbeitet.

Ich wollte nicht aufgeben und spielte noch am selben Abend meinen Arbeitskollegen ebenfalls etwas von dem Oldfield-Family-Mix vor. Wieder gab es regelmäßige Pausen im Stück und eine unregelmäßige Bandgeschwindigkeit, wodurch der Ton furchtbar eierte.
Ich wollte schon kapitulieren und wieder abdrehen, doch plötzlich durchschoss mich ein Geistesblitz. Ich beobachtete das Band und das Gerät, ich probierte ein bisschen herum und…Heureka!
Ich hatte ihn entdeckt. Jetzt wusste ich, wer der unbekannte Musiker/Komponist war, der den Mix bearbeitete.
Er hatte sich gut versteckt, doch letztendlich habe ich ihn gefunden.
Es ist…
*Trommelwirbel*

Achtung!
Falls jemand das Mysterium um das bearbeitete Band für sich bewahren möchte, bitte NICHT weiter lesen!

Der „Band-Motor“!
Er war bei der „Band-Aufnahmespule“ zu schwach und langsam und bei der „Band-Abgabespule“ zu schnell. Das Tonband wurde in das Gehäuse hineingeschoben, aber nicht mehr herausgezogen. Das Band selbst ist unversehrt, die Aufnahme ist den Umständen entsprechen fehlerfrei und klingt fast noch so gut, wie vor 40 Jahren, möchte ich meinen.
Was für ein erhebendes Gefühl den geheimnisvollen Musiker entdeckt zu haben.
(…und was für eine Erleichterung, dass man meine Urgroßmutter und meine Großtanten, immer noch lautstark über den Gesundheitszustand des Gänserichs und Behandlungsmethoden diskutieren hören kann)
Leider habe ich durch meine Entdeckung dem Zufall die Zügel, oder den Dirigentenstab, aus der Hand gerissen. Nun kann die Bearbeitung des Tonbandes durch den Philips 4307 nicht mehr willkürlich passieren, aber das erhebende Gefühl ein kleines Geheimnis gelüftet zu haben bietet mir Trost.

Schremmt Schubert! – Ein weiterer Tatsachenbericht von meiner Vorlesung

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Treue

Nicht nur die Kunden auch die Räuber hielten diesem Geschäft die Treue.

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„Schremmt Schubert!“

Gestern hielt ich meine Vorlesung „Ich habe geklaut  – Sampling, Mix & Remix“ erstmals in einem größeren Hörsaal an der Haupt-Uni, wohin sie aufgrund des großen Andranges von StudentInnen verlegt worden war.
Ursprünglich hätte die Vorlesung im Schreyvogel-Saal des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaften in der imperialen Hofburg stattfinden sollen, direkt über dem Sisi Museum.  Aus sicherheitstechnischen Aspekten hätten dort jedoch nur 50 Personen teilnehmen dürfen, es gab jedoch beinahe 200 Interessenten.
Ausgehend von Franz Schuberts Lied „Der Leiermann“ aus der „Winterreise“ und Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem“ versuchte ich darzustellen, wie der Song oder vielmehr das Monodrama „The Fisherman“ aus „Fool’s Island Project“ entstanden ist: Als Komposition im Sinne einer Überschreibung, als Collage, als Kommentar oder auch Stellungnahme zum Ausgangsmaterial, als Würdigung.
Mein Vortrag wurde begleitet vom ohrenbetäubenden Noise eines Schremmhammers (aus dem Nebenraum), der jedesmal, wenn ich den Mund öffnete, unerbittlich losschremmte: Mund auf – Schremmhammer ON, Mund zu – Schremmhammer OFF, die perfekte Abstimmung, wortlos, rein intuitiv.
Der unbekannte, unsichtbare aber umso hörbarere Arbeiter und meine Wenigkeit performten miteinander „Des Fisches Nachtgesang“ – Live.
Nachdem ich schließlich den Schremm-Arbeiter ausfindig gemacht  und ihn überredet hatte, eine Kaffeepause einzulegen, durfte ich „The Fisherman“ ungestört vorführen.
Nachher kam ein Student zu mir und outete sich sowohl als Bewunderer von Schuberts „Winterreise“ als auch als Fan von elektronischer Musik. Er meinte, er habe selten etwas derartig Verstörendes und gleichzeitig bemerkenswert Intensives erlebt, „es sei ihm vorgekommen, als hätte ihm jemand beim Hören der Winterreise einen Zahn gezogen“.

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Logbuch für den Fliegenden Holländer

Wohin mit den Helden, die zwar sicher sind, eine Heimat zu haben, aber nicht mehr in sie zurück finden? Mit ihrem jüngsten Projekt „Fool’s Island“ streifen Rosivita und Klaus Karlbauer gemeinsam mit Markus Moser durch die Weltmeere, um für Gestalten wie den Fliegenden Holländer Heim, Haus und Weib zu finden. Am 26.9. erlebte das gewagte Projekt im Radio-Kulturhaus seine Uraufführung.

Ist es Graciella, die dem Fliegenden Holländer eine Heimat geben kann? In der Mitte von „Fool’s Island“, dem jüngsten Performance-Projekt des umtriebigen Künstler-Kollektivs Rosivita und Klaus Karlbauer, meint man das versöhnliche Ende einer langen Irrfahrt zu erleben: Der ewig vor sich hin irrende Held in den Armen einer schönen Braut an den Gestaden einer Küste im Abendlicht? Doch der „L’Amour-Hatscher“ im Riviera-Kleid einer Metronomy-Nummer ist eine Irrgestalt. So wie die anderen Ufer, die man auf der gut einstündigen Reise zwischen Musik und Video-Collage, zu entdecken meint. Immer wieder zieht es einem auf „Fool’s Island“ den Boden unter den Füßen weg. Und dieser Effekt ist Konzept.

Die Reise von der Schnee-Landschaft durch lange Tunnel hin auf die Fähren des Mittelmeers ist eine Odyssee, die das Publikum entrücken soll. Jeder kann mit seiner Geschichte, soll vor allem aber mit der eigenen Verrücktheit, aufsteigen und sich wegtragen lassen. Gleichzeitig geht es auch um die Bewältigung von (gerade auch zeitpolitisch aufgeladenen) Bild-Welten, die uns in der Gegenwart überfüllen und den beinahe schon sisyphosartigen Anspruch, so etwas wie den Zugriff auf eine eigene, persönliche Bildgeschichte zu erlangen.

„‘Fool’s Island‘, das ist nicht die eine Insel, auf der alle Verrückten versammelt sind. Fool’s Island, das ist die Summe aller Inseln, die jeder Verrückte je für sich gesucht hat“, sagt die Stimme Prosperos aus dem Off. Das Logbuch für die Reise geht verloren – und so klammert man sich an die verschwimmenden Bilder, die ätherischen Riffs von Markus Moser, die mythischen Untertöne aus der Bass-Klarinette von Klaus Karlbauer. Und über allem schwebt die Stimme von Rosivita als Sirene.

Weit weg getragen wird man musikalisch und auch bildlich in diesem Musik-Video-Projekt – und poetisch sanft gelandet, so viel sei versprochen. [Gerald Heidegger]

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Apache, Jew, Gypsy…

It’s like naming our murder weapons after victims of our crimes: Apache, Tomahawk… It’s as if the Luftwaffe were to call its fighter planes “Jew” and “Gypsy.” (Noam Chomsky)

Full article in Guernica

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Geronimo, Häuptling der Apachen (1829-1909)

Einer der gähnt

Filmgeschichte

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Last Words

“They’ve reached the target,” he said.

Minutes passed.

“We have a visual on Geronimo,” he said.

A few minutes later: “Geronimo EKIA.”

Enemy Killed In Action. There was silence in the Situation Room.

Finally, the president spoke up.

“We got him.”

(Source: NYTimes)

Und mittlerweile ist auch das Bild zu den „Last Words“ aufgetaucht

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Ein Lob der Eigenbrötlerei

Im Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm wird der Eigenbrötler ohne nähere Erläuterung mit „qui rem familiarem ipse curat“ (jemand, der sich selbst um den Hausstand kümmert) definiert. In der Schweiz ist der Ausdruck Eigenbrötler weit verbreitet und bezeichnet ohne pejorativen Beiklang einen Menschen, der gerne seine Ruhe hat und für sich sein will (Wikipedia)

Wo beginnt Eigenbrötlerei? Indem man sich weigert, Teil des Mainstreams zu sein? Ist jegliche individuell erbrachte Höchstleistung in Kunst, Wissenschaft und Spitzensport somit Eigenbrötlerei? Wird Eigenbrötlerei mit Eigensinn, Eigenwilligkeit, Eigenständigkeit gleich gesetzt oder werden hier nuancierte Abstufungen gemacht?

Als Versuch einer Antwort auf diese Fragen drängen sich mir Erinnerungen an längst vergangen geglaubte Zeiten auf. In meinem Herkunfts-Bundesland Kärnten werden Menschen als „eigen“ bezeichnet, über deren Einstufung und Bewertung in der Allgemeinheit noch kein Konsens herrscht. Mit Betonung auf das „noch“, denn dieses „noch“ hat einen Hang zur Beständigkeit: „Einmal eigen – immer eigen“. Es wurde somit noch kein endgültiges Urteil über die betreffende Person gesprochen. Dieses „eigen“ ist noch in Schwebe, hat somit das Potential sowohl in eine günstige als auch in eine ungünstige Deutungsvariante zu kippen. Je nach Bedarf. Je nachdem woher der Wind gerade weht. Der oder die Betroffene steht unter Beobachtung. Skepsis ist in jedem Fall angebracht. Wird aus besagter Person Etwas im Sinne aufmerksamkeits-ökonomischer Relevanz, raunt der Volksmund „man habe es eh schon immer gewusst, denn er/ sie sei ja wirklich immer schon eigen gewesen“. Unabhängig davon, ob etwas Gutes oder Schlechtes daraus wird, „eigen“ ist ein Synonym für „verdächtig“. Hierzulande kann man mit diesem Etikett jedoch durchaus einigermaßen unbeschadet  an Leib und Leben durchkommen.In China offenbar nicht. Alle Erklärungen der chinesischen Regierung sind in ihrem Selbstverständnis und ihrer Selbstverständlichkeit umso erschreckender, da anzunehmen ist, dass die handelnden Vertreter des Systems  tatsächlich an das glauben, was sie in dieser Sache veröffentlichen (lassen). Wer den Artikel (West’s support of Ai Weiwei abnormal ) vor einer Woche in der chinesischen „Global Times“ gelesen hat spürt förmlich die Empörung der Regierung darüber, dass ein Eigenbrötler („Maverick“ sic.) wie Ai Wei Wei es wagt, sich dem mächtigen Strom des chinesischen Wirtschaftswunder in den Weg zu stellen. Eine Tatsache, die eher darauf verweist, dass dieser Strom vielleicht doch nicht so allmächtig ist. Es handelt sich hierbei nicht nur um ein demagogisch-taktisches Geplänkel. Die chinesischen Autoritäten fühlen sich in ihren tiefsten Überzeugungen zutiefst verletzt. Ai Weiwei ist als Künstlerpersönlichkeit prominent, sein Werk ist am Kunstmarkt ökonomisch relevant. Ai Weiwei nützt diese Position für hartnäckige Kritik an einem Regime, das Wirtschaftswachstum über Alles andere stellt in einer Zeit wo sich berechtigte Kritik an eben diesem System zu regen beginnt. Mit der Durchsetzung seines Weges etabliert China natürlich auch die Art und Weise, wie dieses Ziel erreicht wird. Absolutistische Strategien werden dadurch wieder salonfähig und entwickeln eine fatale Vorbild-Wirkung. Jemanden aufgrund seiner „Eigenheit“ zu verhaften und im Nachhinein Argumente für diese Verhaftung zu liefern erinnert an Zeiten, an die wir uns nicht so gerne erinnern wollen, allerdings tagtäglich erinnert werden sollten. „Anders zu sein“ als entsprechende Bezeichnung für „eigen zu sein“ kann nicht als Argument ausreichen, um bei Bedarf aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Wenn überhaupt Abstufungen zwischen Eigenbrötlerei, Eigensinn, Eigenwilligkeit, Eigenständigkeit gemacht werden, dann ganz sicher anlass- und bedarfsorientiert aus der Sicht der jeweils herrschenden Interessensgruppen.
Das sollte uns (nicht nur als Künstler) zu denken geben und wachsam sein lassen.

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Eine einzige Ortstafel für Kärnten reicht

Kärnten – Dummland

(Egal in welcher Sprache)

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