Logbuch für den Fliegenden Holländer

Wohin mit den Helden, die zwar sicher sind, eine Heimat zu haben, aber nicht mehr in sie zurück finden? Mit ihrem jüngsten Projekt „Fool’s Island“ streifen Rosivita und Klaus Karlbauer gemeinsam mit Markus Moser durch die Weltmeere, um für Gestalten wie den Fliegenden Holländer Heim, Haus und Weib zu finden. Am 26.9. erlebte das gewagte Projekt im Radio-Kulturhaus seine Uraufführung.

Ist es Graciella, die dem Fliegenden Holländer eine Heimat geben kann? In der Mitte von „Fool’s Island“, dem jüngsten Performance-Projekt des umtriebigen Künstler-Kollektivs Rosivita und Klaus Karlbauer, meint man das versöhnliche Ende einer langen Irrfahrt zu erleben: Der ewig vor sich hin irrende Held in den Armen einer schönen Braut an den Gestaden einer Küste im Abendlicht? Doch der „L’Amour-Hatscher“ im Riviera-Kleid einer Metronomy-Nummer ist eine Irrgestalt. So wie die anderen Ufer, die man auf der gut einstündigen Reise zwischen Musik und Video-Collage, zu entdecken meint. Immer wieder zieht es einem auf „Fool’s Island“ den Boden unter den Füßen weg. Und dieser Effekt ist Konzept.

Die Reise von der Schnee-Landschaft durch lange Tunnel hin auf die Fähren des Mittelmeers ist eine Odyssee, die das Publikum entrücken soll. Jeder kann mit seiner Geschichte, soll vor allem aber mit der eigenen Verrücktheit, aufsteigen und sich wegtragen lassen. Gleichzeitig geht es auch um die Bewältigung von (gerade auch zeitpolitisch aufgeladenen) Bild-Welten, die uns in der Gegenwart überfüllen und den beinahe schon sisyphosartigen Anspruch, so etwas wie den Zugriff auf eine eigene, persönliche Bildgeschichte zu erlangen.

„‘Fool’s Island‘, das ist nicht die eine Insel, auf der alle Verrückten versammelt sind. Fool’s Island, das ist die Summe aller Inseln, die jeder Verrückte je für sich gesucht hat“, sagt die Stimme Prosperos aus dem Off. Das Logbuch für die Reise geht verloren – und so klammert man sich an die verschwimmenden Bilder, die ätherischen Riffs von Markus Moser, die mythischen Untertöne aus der Bass-Klarinette von Klaus Karlbauer. Und über allem schwebt die Stimme von Rosivita als Sirene.

Weit weg getragen wird man musikalisch und auch bildlich in diesem Musik-Video-Projekt – und poetisch sanft gelandet, so viel sei versprochen. [Gerald Heidegger]

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Über Klaus Karlbauer

Composer, film and performance artist
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