„Ich reg mich auf!“ – Aufschrei eines Musikers

Verspätet Ja, hoffentlich jedoch nicht zu spät kommt dieser Aufschrei aus den Tiefen meines Herzens. Habe nun, Ach, tagelang geschwiegen ob all der Berichterstattung über die geplanten Sparmaßnahmen des ORF. Geschwiegen deshalb, weil es mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache „verschlagen“ hatte. Nach diesen schockstarrenden Schrecksekunden (-Tagen) melde ich mich nun doch zu Wort, weil ich es nicht mehr aushalte und von Etwas berichtet werden muss, das uns Alle betrifft und nicht nur die vielzitierten „elitären kunstaffinen Randgruppen“. Dass die Existenz oder Nicht-Existenz verdienter Veranstaltungen wie „Bachmann-Wettbewerb“ und „Musikprotokoll“ angeblich nur einige Wenige interessiert, sei dahingestellt, Tatsache ist, dass es sich bei Beiden um unersetzliche „Institutionen“ des Kunst- und Kulturbetriebes handelt, die, und das sei betont, nie und nimmer dem Diktat der Quote unterlagen und es auch niemals tun sollten. Dies gilt für das Musikprotokoll in noch stärkerem Maße, da es sich extremeren Regionen des Musikschaffens widmet, die ohne dieses Festival in weit geringerem Maße der Öffentlichkeit in einer derart hochqualitativen Form zugänglich wären.

Was mich jedoch wirklich aufregt ist, dass im Schatten all dieser Drohgebärden bereits konkrete Maßnahmen gesetzt wurden. Beispielsweise wurde klammheimlich der ORF-Beitrag zum Budget des Österreichischen Musikfonds um 100.000€ gekürzt. Ein lächerlicher Betrag!? Ja für den ORF. Nein für den Öst. Musikfonds, dessen Jahresbudget 920.000€ beträgt: „Der Wegfall von 100.000 Euro jährlichem Beitrag des ORF reißt ein tiefes Loch in das Musikfonds-Budget und macht es uns sehr schwer, unsere Förderziele zu erreichen“, zeigt sich Musikfonds-Geschäftsführer Harry Fuchs über die Entscheidung des ORFs enttäuscht. Wer oder was ist nun dieser Öst. Musikfonds? Eine Institution, die ein breites stilistisches Spektrum an Musik-Tonträgerproduktionen mit bis zu 40% des Produktionsbudgets fördert, eine Juryempfehlung vorausgesetzt. Weiters haben jene Produktionen, deren Tonträger gefördert wurden, Anspruch auf einen Toursupport, der es ermöglicht zu zumindest annehmbaren finanziellen Rahmenbedingungen eine Tour durch Österreich zu absolvieren. Diese Maßnahmen haben zahlreiche Projekte ermöglicht, die sonst nicht existierten (nachzulesen und zu -hören auf der Homepage des Öst. Musikfonds). Was diesen Fonds zusätzlich von anderen Förderinstitutionen unterscheidet ist neben der stilistischen Vielfalt, die sich bereits in der Zusammensetzung derJury zeigt, das ist die Höhe des Produktionskosten-zuschusses. Es werden weniger Anträge befürwortet als beispielsweise beim SKE-Fonds der Austro Mechana aber dafür mit deutlich höheren Beiträgen. Der Musikbeirat des bmuk konzentriert sich im Wesentlichen auf die sogenannte E-Musik. Und hier komme ich zur eigentlichen Wurzel meines Ärgers: „Warum regt sich eigentlich Niemand auf ausser mir? Ist Musik Allen egal? Glaub ich wohl nicht, denn der Verkauf von abspielfähigem Equipment boomt ganz ordentlich, darauf lassen sich Weltkonzerne gründen, gegen die der ORF ein „Armutschkerl“ ist. Aber was ist mit den BesitzerInnen dieser Gerätschaften und somit HörerInnen von Musik? Warum schweigen sie, wenn denen, die ebendiese Musik produzieren, sukzessive die Produktions- und somit Existenzgrundlage entzogen wird: „Is ja Wurscht, Musik gibt’s eh immer und überall und kosten tut‘ s auch nix!“ Feine Sache!

So, und jetzt richte ich mich persönlich an Euch werte HörerInnen: „Wenn ihr schon nicht bereit seid für das, was euer Leben in allen Lagen begleitet, mitunter gar Identitäten stiftet, zu zahlen, dann solidarisiert euch zumindest mit jenen, die euch diese Musik liefern! Ich verweise auf Sven Regener, der um einen Satz zum Thema illegalen Download gebeten wurde, mit einer 10-minütigen Schimpftirade „Man pinkelt uns ins Gesicht“ darauf antwortete. Na klar, ihr habt es nicht gewusst, aber nun wisst ihr es. Ich schlag euch vor, empört euch, schreibt E-Mails an den ORF und droht den Küniglberglern, ihnen die Gunst zu entziehen, wenn sie ihrem kulturellen Auftrag nicht weiterhin nachkommen. Gründet Facebook-Groups, lässt Twitter-Shitstorms durch die schweigende Alpenrepublik tosen, „Frieden den Hütten (Kellerproberäume) Krieg den Palästen (sic. Georg Büchner) u.v.m. Und nicht nur lächerliche 100.000€ sollte der ORF-Beitrag zum Öst. Musikfonds sein sondern 1.000.000€, denn auch das ist für den ORF eine lächerliche Summe, dem österreichischen Musikschaffen würde dies einen Boom bescheren.

Solidarisiert euch mit den MusikerInnen, die die Musik produzieren, die in Eurem Leben von Bedeutung ist und kauft hin und wieder einen Tonträger, sei es CD, Vinyl oder MC. Es wird mich sehr gefreut haben.

Klaus Karlbauer, Musiker, Multimediakünstler, lebt in Wien. Sein aktuelles Vinyl-Album „Fool’s Island Project“ erhielt u.a. vom Öst. Musikfonds sowohl eine Tonträgerförderung als auch einen Toursupport und würde ansonsten schlichtweg nicht existieren.

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Über Klaus Karlbauer

Composer, film and performance artist
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Eine Antwort zu „Ich reg mich auf!“ – Aufschrei eines Musikers

  1. Papageno schreibt:

    Es kämpfen bereits einige: Die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman mit „Revolution der Künstler“
    http://www.elisabethkulman.com/category/revolution/#.UdXFIuCJby4 und
    „Die goldenen Regeln“ bei Art but fair http://artbutfair.org/
    Alles wurde ausgelöst durch die Facebookseite: „Die traurigsten & unverschämtesten Künstler-Gagen & Auditionerlebnisse“ https://www.facebook.com/Kuenstlergagen?fref=ts
    Ich finde es SO wichtig, dass Künstler endlich wach werden, aus dem Elfenbeinturm herauskommen….

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